Agentursoftware im Vergleich – awork, MOCO, Teamleader oder ein eigenes System
Du hast drei Tabs offen. In einem läuft die Testphase von awork, im zweiten die Preisseite von MOCO, im dritten ein Demo-Termin bei Teamleader. Alle drei versprechen dasselbe: Projekte, Zeiten und Zahlen an einem Ort. Und alle drei sehen in der Demo gut aus.
Die Entscheidung fällt trotzdem schwer, weil die Frage falsch gestellt ist. „Welche Agentursoftware ist die beste" lässt sich nicht beantworten. „Welche Strecke in meiner Agentur soll die Software abdecken, und was passiert an den Stellen, an denen sie aufhört" dagegen schon.
Dieser Vergleich geht deshalb anders vor als die üblichen Bestenlisten. Du bekommst die drei Produkte mit belegten Tarifen und Funktionen (Stand Oktober 2026, jeweils von den Herstellerseiten), eine klare Einordnung, für welche Agentur welches Tool passt, und eine Prüfmethode, mit der du in einer Woche herausfindest, ob dir eine Suite reicht oder ob die Lücken zwischen deinen Tools erst ein verbindendes KI-/Automations-System schließt.
Was eine Agentursoftware leisten muss
Bevor du Funktionslisten vergleichst, lohnt sich ein Blick auf die Strecke, um die es geht. In fast jeder Agentur und Beratung läuft ein Auftrag durch dieselben fünf Stationen:
- Anfrage – jemand meldet sich über Formular, E-Mail, LinkedIn oder Empfehlung.
- Angebot – du schätzt Aufwand, schreibst Positionen, schickst ein PDF.
- Projekt – aus dem Angebot werden Aufgaben, Zuständigkeiten und Termine.
- Zeiten – das Team erfasst, was es wofür gearbeitet hat.
- Rechnung – aus Zeiten oder Pauschalen wird eine Rechnung, die in die Buchhaltung geht.
Eine Agentursoftware ist im Kern das Versprechen, dass diese fünf Stationen in einem System liegen und die Daten ohne Abtippen von einer zur nächsten wandern. Genau hier unterscheiden sich die drei Produkte. Nicht in der Frage, ob sie ein Kanban-Board haben, sondern in der Frage, an welcher Station sie anfangen und an welcher sie aufhören.
Dazu kommt alles, was rund um diese Strecke passiert: Briefings, Kundenmails, Meeting-Notizen, Freigaben, Reporting, Onboarding. Dieser Teil steht in keiner Funktionsliste, frisst aber in vielen Agenturen die meiste Zeit. Darauf kommen wir später zurück, denn dort entscheidet sich, ob eine Suite reicht.
Die fünf Stationen, an denen sich jede Agentursoftware messen lassen muss. Entscheidend ist, wo ein Tool anfängt und wo es aufhört.
awork – stark in Projekten, Planung und Teamarbeit
awork kommt aus dem Projektmanagement. Aufgaben, Projektpläne, Teamplanung und Zeiterfassung sind der Kern, die Oberfläche ist auf Teams ausgelegt, die jeden Tag damit arbeiten sollen und es auch tun.
Tarife (Stand Oktober 2026, laut awork-Preisseite)
- Basic: 5 € pro User und Monat bei jährlicher Abrechnung, 7 € bei monatlicher. Empfohlen für 1 bis 5 User. Unbegrenzte Projekte, Zeiterfassung, persönlicher Planer, reguläre Integrationen.
- Standard: 11 € jährlich, 14 € monatlich. Empfohlen für 2 bis 20 User. Zusätzlich Workload-Übersicht, Team-Struktur, Abwesenheiten, erweitertes Rechtemanagement und eine Automatisierung pro Projekt.
- Professional: 19 € jährlich, 22 € monatlich. Empfohlen für 5 bis 100 User. Zusätzlich Zeiterfassungs-Einstellungen, umfassende Zeitauswertungen, beliebig viele eigene Felder, beliebig viele Automatisierungen und erweiterte Integrationen.
- Enterprise: individuelles Angebot, empfohlen ab 100 Usern, mit SSO und SLAs.
Alle Preise verstehen sich zuzüglich Umsatzsteuer. Testen kannst du ohne hinterlegte Zahlungsdaten. Die KI-Funktionen (awork AI) werden separat pro User abgerechnet, der Einstieg liegt laut Preisseite bei 15 € pro User und Monat.
Wofür awork passt
awork passt, wenn dein Engpass im Projektalltag liegt. Wenn niemand weiß, wer gerade woran sitzt, wenn Deadlines in Köpfen statt in einem Plan stehen und wenn die Auslastung erst auffällt, sobald jemand überlastet ist. Die Workload-Übersicht ab dem Standard-Tarif ist genau für diese Frage gebaut.
Ein typisches Szenario: eine Social-Media-Agentur mit sieben Leuten und zwölf laufenden Retainern. Montagmorgen plant die Projektleitung die Woche. In awork sieht sie pro Person, wie viele Stunden schon verplant sind, schiebt zwei Aufgaben um und hat nach einer Viertelstunde einen Wochenplan, den das ganze Team im eigenen Planer sieht.
Wo awork endet
Die kaufmännische Seite gehört nicht zum Kern. Auf der Preis- und Integrationsseite beschreibt awork keine eigene Angebots- oder Rechnungsstellung, sondern die Übergabe: erfasste Zeiten lassen sich an Abrechnungstools wie Lexware Office oder easybill übertragen, und zwar ab dem Professional-Tarif. Auch eine MOCO-Anbindung wird dort als Add-on geführt. Verbindungen zu Zapier, Make und n8n gibt es dagegen schon im Basic-Tarif.
Das ist kein Mangel, sondern eine Entscheidung des Herstellers. Du solltest sie nur kennen, bevor du unterschreibst. Mit awork brauchst du für Angebote und Rechnungen ein zweites Tool, und zwischen beiden liegt eine Übergabe, die jemand einrichten und pflegen muss.
MOCO – stark in Angebot, Abrechnung und Controlling
MOCO setzt am anderen Ende der Strecke an. Der Hersteller nennt es selbst eine ERP-Agentursoftware. Der Kern ist die kaufmännische Kette vom Angebot über die Zeiterfassung bis zur Rechnung, ergänzt um Projektcontrolling und Personal.
Tarife (Stand Oktober 2026, laut MOCO-Preisseite)
- Core: 15 € pro User und Monat. Enthält Angebote, Projektcontrolling, Zeiterfassung, Abrechnung, Stammdaten, Abwesenheiten, vorbereitende Buchhaltung, eine direkte DATEV-Schnittstelle, mobile Apps und die API.
- Pro: 21 € pro User und Monat. Zusätzlich Leads, Eingangsrechnungen, Finanzplanung, automatischer Bankabgleich, Kapazitätsplanung, Urlaubsanträge und erweiterte Freigabe-Abläufe.
- Unlimited: 24 € pro User und Monat, ab 25 Usern. Zusätzlich unter anderem Single Sign-on, KI-gestützte Belegerkennung und unbegrenzte API-Schlüssel.
Auch hier gilt zuzüglich Umsatzsteuer. Die Testphase läuft 30 Tage ohne Zahlungsdaten, Kündigungsfristen nennt MOCO auf der Preisseite keine, ab 50 Usern gibt es Staffelpreise. Als Schnittstellen führt der Hersteller neben der API auch Make, Zapier und Webhooks.
Wofür MOCO passt
MOCO passt, wenn dein Engpass bei den Zahlen liegt. Wenn Rechnungen am Monatsende aus drei Quellen zusammengesucht werden, wenn niemand sicher sagen kann, ob ein Projekt Geld verdient hat, und wenn der Steuerberater jeden Monat Belege nachfordert.
Ein typisches Szenario: eine Beratung mit fünf Leuten rechnet nach Aufwand ab. Am letzten Freitag im Monat öffnet der Inhaber die Abrechnung, sieht pro Kunde die erfassten und noch nicht berechneten Stunden, erzeugt daraus die Rechnungsentwürfe und gibt sie frei. Was früher ein halber Tag mit Excel-Exporten war, ist eine Stunde.
Wo MOCO endet
Die Aufgabenebene ist bewusst schlank gehalten. MOCO steuert Projekte über Budgets, Leistungen und Stunden, weniger über tief verschachtelte Aufgabenlisten mit Abhängigkeiten. Teams, die ihre tägliche Arbeit in detaillierten Boards organisieren, nutzen dafür oft zusätzlich ein Projektmanagement-Tool. Welche Kombination dann sinnvoll ist, haben wir im Vergleich ClickUp, Monday oder Asana für Agenturen durchgespielt.
Dazu kommt: Leads und Kapazitätsplanung gibt es erst im Pro-Tarif. Wer die ganze Strecke in MOCO abbilden will, landet also bei 21 € pro User.
Teamleader – zwei Produkte für zwei Größen
Bei Teamleader musst du zuerst klären, über welches Produkt du sprichst. Unter dem Namen laufen zwei Linien mit unterschiedlicher Zielgruppe.
Teamleader Orbit
Orbit ist die eigentliche Agentursoftware des Herstellers. Auf der deutschen Seite beschreibt Teamleader es als Lösung für ambitionierte Teams ab 10 Mitarbeitern, mit Projektmanagement, Kapazitätsplanung, Zeiterfassung, Budgetkontrolle, Finanzen und CRM in einem Paket.
Einen öffentlichen Listenpreis gibt es nicht. Auf der Preisseite steht „Preis auf Anfrage", jede Agentur bekommt ein individuelles Angebot (Stand Oktober 2026). Für eine Agentur mit vier Leuten ist Orbit damit schon von der Zielgruppe her nicht gedacht.
Teamleader Focus
Focus ist die Linie für kleinere Unternehmen quer durch alle Branchen. Der Kern ist CRM, Angebote, Rechnungen und Zeiterfassung. Die Pakete heißen SMART, GROW und FLOW.
Was die Herstellerseite dazu belegt (internationale Preisseite, Stand Oktober 2026):
- Der Einstieg liegt laut Seite bei 37,50 € pro User und Monat, ab dem 6. User gibt es 50 % Rabatt.
- Alle Pakete enthalten CRM, Zeiterfassung, Dokumente im eigenen Design, Rechnungen und Auswertungen.
- GROW ergänzt unter anderem automatische Zahlungserinnerungen, Abos und eine Margenrechnung. Der Hersteller empfiehlt es für Teams bis 10 Mitarbeiter, FLOW für größere.
- Projektmanagement und Planung sind zubuchbare „Booster" und kosten je nach Abrechnung jeweils 35 bis 45 € pro Monat zusätzlich. Ein Buchhaltungs-Connector liegt bei 5 bis 6 € pro Monat.
- Die Testphase läuft 14 Tage ohne Kreditkarte.
Die genauen Paketpreise hängen von Userzahl, Land und Abrechnungszeitraum ab und werden auf der Seite über einen Rechner ausgegeben. Lass dir vor der Entscheidung ein Angebot für deine Teamgröße geben und rechne die Booster mit ein.
Wofür Teamleader passt
Focus passt, wenn dein Engpass im Vertrieb liegt. Wenn Anfragen in Postfächern versanden, Angebote nicht nachgefasst werden und du keinen Überblick hast, welche Deals gerade offen sind. Das CRM ist hier der Ausgangspunkt, Projekte kommen als Erweiterung dazu.
Orbit passt, wenn du über 10 Leute bist, Rentabilität pro Projekt und Kunde steuern willst und bereit bist, die Einführung als eigenes Projekt aufzusetzen.
Wo Teamleader endet
Bei Focus ist die Projektseite ein Zusatzmodul und kein Kern. Agenturen, deren Alltag aus vielen parallelen Kundenprojekten mit feiner Aufgabenplanung besteht, stoßen dort eher an Grenzen als im Vertrieb. Bei Orbit ist die Hürde eine andere: ohne Listenpreis und mit Mindestgröße ist der Einstieg ein Vertriebsgespräch und keine Testphase am Sonntagabend.
Der direkte Vergleich nach Einsatzzweck
Zusammengefasst nach der Frage, wo dein größter Engpass liegt:
- Projektalltag und Auslastung – awork. Ab 5 € pro User, mit Workload-Übersicht ab 11 €. Für Angebote und Rechnungen brauchst du ein zweites Tool.
- Angebot, Abrechnung, Controlling – MOCO. Ab 15 € pro User, mit DATEV-Schnittstelle schon im Einstiegstarif. Für feine Aufgabenplanung nutzen viele Teams ein Zusatztool.
- Vertrieb und Kundenverwaltung – Teamleader Focus. Einstieg laut Hersteller bei 37,50 € pro User, Projektmanagement als Booster.
- Alles in einem ab 10 Mitarbeitern – Teamleader Orbit. Preis auf Anfrage.
Eine Beispielrechnung für acht User
Damit du ein Gefühl für die Größenordnung bekommst, rechnen wir mit acht Usern und den Listenpreisen von oben:
- awork Standard, jährlich: 8 × 11 € = 88 € pro Monat
- awork Professional, jährlich: 8 × 19 € = 152 € pro Monat
- MOCO Core: 8 × 15 € = 120 € pro Monat
- MOCO Pro: 8 × 21 € = 168 € pro Monat
Für Teamleader lässt sich ohne individuelles Angebot keine saubere Zahl nennen. Rechne dort mit dem Paketpreis plus den Boostern, die du brauchst.
Die Beträge liegen eng beieinander. Zwischen der günstigsten und der teuersten Variante liegen 80 € im Monat. Bei einer Agentur mit acht Leuten ist das weniger als eine Arbeitsstunde. Der Lizenzpreis ist also das schwächste Kriterium für deine Entscheidung. Teuer wird ein Tool, wenn das Team es nicht nutzt oder wenn es an den Stellen aufhört, an denen bei dir die Arbeit hängen bleibt.
Wann eine Suite völlig reicht
Nicht jede Agentur braucht mehr als eine gute Suite. In drei Fällen ist sie die richtige Antwort, und zwar ohne Einschränkung.
Du arbeitest noch mit Excel, E-Mail und Bauchgefühl
Wenn es bisher kein zentrales System gibt, ist jede der drei Suiten ein großer Schritt. Zeiten werden erfasst, Rechnungen entstehen aus Daten statt aus Erinnerung, Projekte haben einen Ort. Diesen Schritt solltest du zuerst gehen. Ein individuelles System auf Chaos zu bauen ist einer der klassischen Fehler.
Dein Auftragsweg ist kurz und gleichförmig
Eine Beratung mit drei Leuten, die Tagessätze abrechnet und fünf Kunden parallel betreut, hat wenig Übergaben. Angebot, Zeiten, Rechnung. Das bildet MOCO im Core-Tarif vollständig ab, und drumherum passiert nicht viel, was sich zu automatisieren lohnt.
Dein Engpass liegt genau in der Stärke eines Tools
Wenn dein einziges echtes Problem die Auslastungsplanung ist, löst awork es. Wenn es die Abrechnung ist, löst MOCO es. Dann kauf das Tool, führ es sauber ein und arbeite ein halbes Jahr damit, bevor du über mehr nachdenkst.
Die Faustregel: Solange die Arbeit, die dich Zeit kostet, innerhalb der Suite stattfindet, reicht die Suite.
Die Suite reicht, solange die zeitfressende Arbeit in ihr stattfindet. Liegt sie zwischen den Tools, hilft kein Tarifwechsel mehr.
Wo jede Suite endet
Jetzt zu dem Teil, der in keiner Demo vorkommt. Eine Suite verwaltet strukturierte Daten: Projekte, Aufgaben, Stunden, Rechnungen. Der Agenturalltag besteht aber zu einem großen Teil aus unstrukturierten Dingen, die erst zu Daten werden müssen.
Vier Stellen tauchen dabei immer wieder auf.
Vor der Suite – der Weg von der Anfrage ins System
Eine Anfrage kommt als E-Mail mit drei Absätzen Freitext. Bis daraus ein Kontakt, ein Deal und ein Angebotsentwurf in deiner Software geworden sind, hat jemand gelesen, eingeordnet, nachgefragt und abgetippt. Die Suite beginnt erst, wenn der Datensatz existiert.
Zwischen den Tools – die Übergaben
Kaum eine Agentur arbeitet mit nur einem Tool. Neben der Suite gibt es das Postfach, den Kalender, ein Meeting-Tool, die Buchhaltung, oft noch ein Whiteboard und ein Reporting-Tool. Jede Grenze dazwischen ist eine Übergabe. Fertige Integrationen decken die häufigsten davon ab, etwa Zeiten an die Rechnungssoftware. Deine eigenen Sonderfälle decken sie nicht ab.
In der Suite – die Pflege
Ein System ist nur so gut wie seine Daten. Jemand muss nach dem Kundencall die Aufgaben anlegen, den Projektstatus aktualisieren und die Notizen ablegen. Passiert das nicht, zeigt die schönste Auslastungsübersicht falsche Zahlen. In vielen Agenturen hängt diese Pflege am Inhaber oder an einer einzelnen Projektleitung.
Nach der Suite – was aus den Daten wird
Der Kunde will am Monatsende einen Bericht. Der Inhaber will wissen, welche Kunden sich lohnen. Die Daten liegen in der Suite, aber der Bericht entsteht in PowerPoint, mit Screenshots und Copy-and-paste.
Wenn du dich hier wiedererkennst, lies die sieben Anzeichen für Fulfillment-Chaos. Meist sind es nicht die Tools, die fehlen, sondern die Verbindungen dazwischen.
Was ein eigenes System anders macht
Ein eigenes KI-/Automations-System ist kein viertes Produkt in diesem Vergleich. Es ersetzt awork, MOCO oder Teamleader in den meisten Fällen nicht. Es sitzt darüber und dazwischen und übernimmt die Arbeit, die keine Suite abdeckt.
Konkret besteht es aus drei Schichten:
- Verbindungen: Automatisierungen, die Daten zwischen deinen Tools bewegen. Alle drei Suiten bringen dafür Schnittstellen mit, awork und MOCO nennen ausdrücklich Make und Zapier.
- KI an den unstrukturierten Stellen: Ein Modell liest die Anfrage, das Transkript oder das Briefing und erzeugt daraus strukturierte Daten, also einen Angebotsentwurf, eine Aufgabenliste oder eine Zusammenfassung.
- Regeln und Freigaben: Festgelegte Punkte, an denen ein Mensch prüft, bevor etwas zum Kunden geht.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Dienstag, 10 Uhr, Kickoff-Call mit einem neuen Kunden. Ohne verbindendes System schreibt die Projektleitung danach 40 Minuten lang Notizen ins Reine, legt elf Aufgaben an, schreibt eine Zusammenfassung an den Kunden und trägt den Folgetermin ein.
Mit System läuft das Transkript des Calls durch einen festen Ablauf. Die KI erzeugt Zusammenfassung, Aufgabenliste mit Zuständigkeiten und einen Mailentwurf. Die Projektleitung bekommt alles zur Prüfung, korrigiert zwei Punkte und gibt frei. Die Aufgaben landen im Projektmanagement-Tool, die Mail geht raus, die Notiz liegt beim Kunden im CRM. Aus 40 Minuten werden fünf.
Die Suite bleibt dieselbe. Sie bekommt nur zum ersten Mal vollständige Daten, ohne dass jemand sie eintippt.
Was das kostet
Ein eigenes System liegt in einer anderen Größenordnung als eine Lizenz. Bei DigitalXShift bewegt sich das Setup je nach Umfang zwischen 2.000 und 10.000 € aufwärts, die laufende Betreuung zwischen 1.000 und 3.000 € im Monat. Wie sich das zusammensetzt und wann es sich rechnet, steht ausführlich im Artikel Was kostet ein KI-/Automations-System für deine Agentur?.
Der Vergleich mit 150 € Lizenzkosten hinkt allerdings. Die Lizenz bezahlst du für ein Werkzeug. Das System bezahlst du dafür, dass Arbeit wegfällt. Die richtige Vergleichsgröße sind die Stunden, die dein Team jede Woche mit Übergaben, Abtippen und Nachpflegen verbringt.
In einer Woche zur Entscheidung
Statt weiter Funktionslisten zu vergleichen, kannst du die Entscheidung in fünf Arbeitstagen sauber vorbereiten. Du brauchst dafür kein Tool und kein Budget, nur einen echten Auftrag und eine Strichliste.
Tag 1 – einen echten Auftrag nachzeichnen
Nimm den letzten abgeschlossenen Auftrag. Schreib jede Station von der ersten Anfrage bis zur bezahlten Rechnung auf, mit dem Tool, in dem sie stattfand, und der Person, die sie erledigt hat. Bei den meisten Agenturen kommen 15 bis 25 Schritte zusammen.
Tag 2 – Übergaben markieren
Markier jeden Schritt, bei dem Informationen von einem Tool in ein anderes oder von einem Kopf in ein Tool gewandert sind. Das sind deine Übergaben. Notier dazu, wie lange jede dauert und wie oft sie im Monat vorkommt.
Tag 3 – den größten Engpass benennen
Rechne Dauer mal Häufigkeit. Die drei größten Posten sind dein Engpass. Liegen sie im Projektalltag, in der Abrechnung, im Vertrieb oder zwischen den Tools?
Tag 4 – die passende Suite testen
Wähl die Suite, deren Stärke zu deinem Engpass passt, und spiel in der Testphase genau den Auftrag von Tag 1 durch. Nicht die Demo-Daten des Herstellers, sondern deinen echten Fall. Achte darauf, an welcher Stelle du das Tool verlässt.
Tag 5 – die Lücken zählen
Schreib auf, welche Übergaben von Tag 2 die Suite beseitigt hat und welche geblieben sind. Sind es ein oder zwei kleine, reicht die Suite. Bleibt mehr als die Hälfte deiner Übergabezeit bestehen, löst auch ein teurerer Tarif das Problem nicht.
Wenn du für den zweiten und dritten Tag eine Vorlage suchst: In unserem kostenlosen KI-Automatisierungs-Report findest du die häufigsten Übergaben in Agenturen und Beratungen samt Einschätzung, welche sich zuerst automatisieren lassen. Er hilft dir, deine eigene Liste gegenzuprüfen.
Drei Fehler bei der Auswahl
- Nach der Demo entscheiden. Demos zeigen den Idealfall mit sauberen Daten. Deine Entscheidung fällt im Sonderfall.
- Das Team zuletzt fragen. Die Software, die der Inhaber am besten findet, ist nicht immer die, in der das Team seine Zeiten erfasst.
- Alles auf einmal einführen. Starte mit der Station, an der es am meisten wehtut, und erweitere von dort.
Der sinnvolle Weg in zwei Stufen
Aus allem oben ergibt sich eine Reihenfolge, die für die meisten Agenturen zwischen 3 und 20 Mitarbeitern funktioniert.
Stufe 1: die passende Suite als Fundament. Wähl nach Engpass, führ sie sauber ein, bring das Team dazu, wirklich damit zu arbeiten. Rechne mit drei bis sechs Monaten, bis der Alltag darin läuft.
Stufe 2: die Lücken schließen. Wenn die Suite steht und du siehst, welche Arbeit trotzdem bleibt, verbindest du die Tools und setzt KI an den Stellen ein, an denen heute jemand liest, sortiert und abtippt. Das ist der Punkt, an dem ein individuelles System seine Wirkung entfaltet, weil es auf sauberen Daten aufsetzt.
Wer Stufe 1 überspringt, automatisiert Unordnung. Wer bei Stufe 1 stehen bleibt, bezahlt Lizenzen für ein System, das der Inhaber von Hand füttert.
Wenn du wissen willst, an welcher Stelle du gerade stehst, schauen wir uns das gemeinsam an. Im KI-Potenzial-Check gehen wir deinen Auftragsweg durch, markieren die Übergaben und sagen dir klar, ob dir eine Suite reicht oder wo ein verbindendes System den größten Hebel hätte. Auch wenn die Antwort lautet: Kauf MOCO und komm in einem halben Jahr wieder.
Die Prüfung in Kurzform. Was nach dem Test an Übergaben bleibt, entscheidet über Suite oder verbindendes System.
Häufige Fragen
Welche Agentursoftware ist die beste für kleine Agenturen?
Das hängt vom Engpass ab. Für Teams bis etwa fünf Leute mit Schwerpunkt Projektalltag ist awork im Basic- oder Standard-Tarif der günstigste Einstieg (5 bis 14 € pro User, Stand Oktober 2026). Wer vor allem sauber abrechnen will, ist mit MOCO Core für 15 € pro User besser bedient, weil Angebote, Rechnungen und die DATEV-Schnittstelle dort schon enthalten sind.
awork oder MOCO – was ist der Unterschied?
awork kommt aus dem Projektmanagement und ist stark in Aufgaben, Teamplanung und Auslastung. MOCO kommt aus der kaufmännischen Richtung und ist stark in Angebot, Zeiterfassung, Abrechnung und Controlling. Manche Agenturen nutzen beide zusammen, awork führt dafür eine MOCO-Anbindung als Add-on. Sinnvoll ist das, wenn du sowohl feine Aufgabenplanung als auch eine vollständige Abrechnung brauchst.
Ist Teamleader für eine Agentur mit fünf Leuten geeignet?
Teamleader Orbit richtet sich laut Hersteller an Agenturen ab 10 Mitarbeitern und hat keinen öffentlichen Listenpreis. Für fünf Leute kommt eher Teamleader Focus in Frage, das CRM, Angebote, Rechnungen und Zeiterfassung abdeckt. Projektmanagement buchst du dort als Booster dazu. Liegt dein Schwerpunkt im Vertrieb, ist das eine gute Wahl, bei vielen parallelen Kundenprojekten lohnt der Vergleich mit awork und MOCO.
Ersetzt ein eigenes KI-/Automations-System die Agentursoftware?
In den meisten Fällen nicht. Die Suite bleibt der Ort für Projekte, Zeiten und Rechnungen. Das eigene System verbindet sie mit Postfach, Kalender, Meetings und Buchhaltung und übernimmt die Arbeit dazwischen, etwa aus einem Kundencall automatisch Aufgaben und eine Zusammenfassung zu erzeugen. Sinnvoll wird es, sobald die Suite sauber läuft und trotzdem viel Handarbeit an den Übergaben bleibt.